Praxistipps
Wichtige Praxis-Tipps zum richtigen Lüften
Zusammenhänge zwischen Raumluftqualität und Winterbauschäden an Holzfenstern:
Vielfach herrscht Unklarheit über die Zusammenhänge zwischen der Luftfeuchtigkeit, dem Kohlendioxidgehalt der Luft und dem Energiebedarf für das Lüften bewohnter Räume sowie den Konsequenzen und Schäden, die bei deren Nichtbeachtung resultieren. Nachfolgend wird dies näher erläutert:
Wasserdampfmenge in der Bauphase
Beim Austrocknen von Neubauten entweichen aus Innenputz und Estrich enorme Mengen an Wasserdampf. Bei unzureichender Lüftung entweicht bei der Trocknung von Estrich und Innenputz entstehende Wasserdampf nicht in erforderlicher Zeit. Konsequenzen der fehlenden Raumbelüftung sind die so genannten Winterbauschäden. Dabei dringt Wasserdampf in das Holz ein, kondensiert und erhöht die Holzfeuchtigkeit auf Werte von über 30%, was in der Folge dazu führt, dass Schäden an Fenstern und an der Verleimung entstehen. Im Extremfall bildet der Anstrich an der Fensteraußenseite Blasen, die mit Wasser gefüllt sein können. Während der Verputzarbeiten und der anschließenden Trocknungsphase lassen sich diese Schäden durch ausreichende Lüftung (zB über ein gekipptes Fenster) vermeiden. Weitere Details siehe "Lüften mit dem Fenster".
Wasserdampfmenge in bewohnten Räumen
Wasserdampf ist ein ungiftiges farb- und geruchloses Gas, das in bewohnten Räumen ständig in großen Mengen produziert wird (in einem 4-Personen-Haushalt entstehen durchschnittlich pro Tag 8 bis 15 kg, das einem Wasserdampf-Volumen von ca. 10.000 bis 19.000 l entspricht). Eine relative Luftfeuchtigkeit von ca. 40 - 70% wird als normal empfunden. Durch trockene Luft wird die elektrostatische Aufladung und das Austrocknen der Schleimhäute begünstigt. Bei sehr trockener Luft (unterhalb von ca. 40%) treten vermehrt bestimmte Bakterien und Viren auf, welche für Bronchialerkrankungen verantwortlich sind. Länger anhaltende relative Luftfeuchtigkeit von mehr als 60 - 65% führt an kalten Stellen von Außenwänden zu Kondenswasserbildung, ein idealer Nährboden für Schimmelpilze
Abhilfe der Kondenswasserbildung wird erreicht durch:
- Lückenlose Außendämmung des Hauses. Falls dies nicht möglich ist: Innendämmung an tauwassergefährdeten Stellen wie Ecken, Deckenanschlüssen, Fensterlaibungen anbringen lassen.
- Aktive Lüftung über die Fenster, damit die Raumluftfeuchte nicht über 50 - 55% ansteigt (Anschaffung eines Hygrometers zur Überprüfung der gerade herrschenden relativen Luftfeuchtigkeit notwendig!)
Kohlendioxid
Durch die Atmung wird laufend Kohlendioxid erzeugt. Zu hohe Kohlendioxid-Konzentrationen in Wohnräumen führen zu Ermüdungserscheinungen und Konzentrationsschwächen. In einem 4-Personen-Haushalt wird demnach pro Tag eine Frischluftmenge von 2.000 - 3.000 m³ benötigt, um die Co²-Konzentration unter der kritischen Grenze zu halten. Dies bedeutet, dass in einer 75 m² Wohnung alle 1,5 bis 2 Stunden, in einem Einfamilienhaus mit 120 m² etwa alle 3 Stunden ein Austausch der Luft erforderlich ist.
Lüften mit dem Fenster
Ziel des Lüftens ist es, ein Maximum an Raumluftqualität bei einem Mininum an Energieverbrauch zu erreichen. Für das aktive Lüften mit dem Fenster sollen folgende Punkte berücksichtigt werden:
- Die notwendige Lüftungsdauer für den kompletten Luftwechsel eines Raumes bei Stoßlüftung (ganz geöffnetes Fenster) ist abhängig von der Außentemperatur im Jahresablauf (Frühling 10-20 Minuten, Sommer 25-30 Minuten, Herbst 10-20 Minuten, Winter 4-6 Minuten).
- Bereits leichter Wind (ca. 5 km/h) kann den Luftaustausch verdoppeln. Die stärkste Antriebskraft für die Lüftung ist die Thermik. Je größer der Temperaturunterschied zwischen innen und außen, desto größer das Bestreben der warmen Luft, durch das geöffnete Fenster aufzusteigen. Deshalb ist die notwendige Öffnungsdauer für einen kompletten Luftaustausch im Winter mit durchschnittlich 5 Minuten wesentlich kürzer als in der Übergangszeit mit ca. 15 Minuten.
Der Mensch braucht frische Luft um sich wohl zu fühlen. Doch richtiges Lüften ist eine Kunst für sich: Durch falsches Lüften können in einem normalen Einfamilienhaus jährlich rund 20% der Energie verheizt werden. Der bei der Trocknung von Estrich und Innenputz entstehende Wasserdampf muss durch ausreichendes Lüften ins Freie abgeführt werden, um während der Bauphase Schäden zu vermeiden. Es muss ausreichend gelüftet werden, um während der Benutzung von Wohnung bzw. Eigenheimen ein angenehmes Wohnklima und eine gesunde Innenraumluftqualität zu erzielen. Nur so können Schimmelbildung und Feuchtschäden vermieden werden.
Nachstehend noch ein paar wertvolle Praxistipps:
- Nur raumweise lüften; bei Querlüftung durch mehrere Zimmer reichen max. 3 Minuten zum kompletten Luftaustausch
- Nur aktiv lüften, wenn Zimmer benutzt werden; in unbewohnten Räumen reicht meist die Selbstlüftung durch Fugen.
- Die weiterverbreitete Lüftungsart durch gekippte Fenster führt oft zu überhöhten Luftwechselraten, weil die enströmenden Luftmengen unterschätzt werden. Zur Dauerlüftung ist die gekippte Stellung nur außerhalb der Heizperiode sinnvoll. Im Winterhalbjahr braucht ein Fenster nicht länger als 7 - 20 Minuten pro Stunde gekippt sein.
- Die empfohlene "Stoßlüftung" durch ein ganz geöffnetes Fenster ist im Winter nur dann energiesparend, wenn dies sehr diszipliniert und kurzzeitig geschieht (4 - 6 Minuten)
- Gute Ergebnisse können durch Dauerlüftung mittels regulierbarer Lüftungsspalte (Dosierlüfter) erzielt werden. Ein Element pro Raum reicht aus
- Bei allen Arten des aktiven Lüftens muss die Dauer des Fensteröffnens am Außenklima orientiert werden. Je kälter es draußen wird, desto kürzer können wegen der stärkten Thermik die Lüftungszeiten werden.
- Fenster und Türen sollten auf gegenüberliegenden Seiten des Gebäudes geöffnet werden. Durch das "Querlüften" geschieht der Luftaustausch wesentlich schneller
- Besser kurz, aber öfter lüften. Faustregel: Rund drei mal für fünf Minuten die Fenster weit öffnen
- Da sich die Raumluft mit zahlreichen unerwünschten Schadstoffen anreichert, muss erst recht bei modernen und "dichten" Fenstern gelüftet werden.
- Zu spät ist es, wenn schon Kondenswasser an den Fenstern oder gar Schimmel an den Wänden auftritt: Tritt dieser Fall ein , wurde eindeutig zu wenig gelüftet
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